Zum ersten „Diversity Day“ der Veit-Stoß-Realschule Nürnberg habe ich einen Theaterworkshop zu Identität und Rollenbildern geleitet. An diesem Tag standen acht Workshops zur Wahl – zu Körperbewusstsein, LGBTQI+, Diskriminierung und Vielfalt.
Rollenbilder sind ein dankbares Theaterthema, weil das Wort „Rolle“ in beiden Welten vorkommt. Auf der Bühne ist eine Rolle etwas, das man annimmt und wieder ablegt. Im Alltag ist sie etwas, das einem zugewiesen wird und das man oft nicht loswird: der Türke, die Streberin, der Klassenclown, das stille Mädchen aus der Deutschklasse.
Im Workshop drehen wir das um. Wir spielen Szenen, in denen jemand genau die Rolle bekommt, die er im Schulalltag nie hat. Der Ruhige führt. Die Lauteste hört zu. Das ist zuerst albern und wird nach zehn Minuten still, weil den Jugendlichen etwas auffällt: Es kostet Kraft, aus einer Zuschreibung herauszukommen – und es geht überhaupt nur, wenn die anderen mitspielen.
Für mich ist das kein abstraktes Thema. Ich bin in Deutschland lange über meine Herkunft definiert worden, bevor mich jemand nach meinem Beruf gefragt hat. Eine Bühne war der erste Ort, an dem ich selbst bestimmen konnte, wer ich für die nächsten zwei Stunden bin.
Wenige Wochen später habe ich die Patenschaft für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an dieser Schule übernommen.
Quelle: Veit-Stoß-Realschule Nürnberg, Bericht zum Diversity Day.

