Vier Wochen Probenzeit, eine Aufführung: Die Deutschklasse der Bartholomäusschule Nürnberg hat ihr eigenes Theaterstück vor Eltern, Geschwistern und Mitschülerinnen gespielt. Ich habe die Klasse dabei begleitet.
In einer Deutschklasse sitzen Kinder, die erst seit kurzem in Deutschland sind und die Sprache noch lernen. Für sie ist eine Bühne ein ungewöhnlicher Ort – und genau deshalb ein guter. Im Unterricht wird täglich geprüft, ob ein Satz richtig ist. Auf der Bühne zählt zuerst, ob er ankommt.
Das Stück haben die Kinder selbst entwickelt. Das ist mir wichtig: Ich bringe keine fertigen Texte mit, die dann auswendig gelernt werden. Wir sammeln, was die Gruppe erzählen will, probieren Szenen aus, streichen, was nicht funktioniert, und behalten, was alle verstehen. Wer im Deutschen noch unsicher ist, bekommt eine Rolle, die mit wenigen Worten auskommt – aber eine Rolle, keine Statistenposition.
Was am Aufführungstag passiert, ist jedes Mal dasselbe und jedes Mal neu: Die Eltern sitzen im Publikum und sehen ihr Kind in einer Sprache sprechen, die sie selbst oft noch nicht können. Danach sind alle ein bisschen stolzer, als sie zugeben würden.
Vier Wochen sind wenig für ein Theaterstück. Für ein Kind, das im September noch kein deutsches Wort sagen wollte, sind sie eine ganze Menge.
Quelle: Bartholomäusschule Nürnberg; eigene Projektdokumentation.

