In der Projektwoche „Fit for Life“ an der Berufsschule 9 in Nürnberg habe ich einen theaterpädagogischen Workshop für zehnte und zwölfte Klassen geleitet. Es ging um persönliche Werte und Einstellungen, um Gesundheit und um den Umgang miteinander.
Solche Themen lassen sich schwer besprechen, solange alle in der Bankreihe sitzen. Über Werte redet man dann in Formeln – Respekt, Toleranz, Ehrlichkeit –, und niemand widerspricht, weil niemand widersprechen muss. Theater macht daraus etwas Unbequemeres: Man spielt eine Situation, in der genau diese Begriffe kollidieren, und merkt beim Spielen, dass die eigene Position weniger eindeutig ist als gedacht.
Ich arbeite dabei viel mit Standbildern und mit Rollentausch. Eine Gruppe stellt eine Szene, in der jemand ausgegrenzt wird. Dann friert das Bild ein, und wir sehen es uns an – nicht als Anklage, sondern als Frage: Wer steht wo? Wer schaut weg? Und was müsste passieren, damit sich etwas ändert? Anschließend darf jemand aus dem Publikum eine der Figuren übernehmen und es anders versuchen. Diese Technik stammt aus dem Forumtheater; sie funktioniert bei Berufsschülern besonders gut, weil sie nichts Belehrendes hat.
Die Altersgruppe ist dankbar und anstrengend zugleich. Junge Erwachsene in der Ausbildung haben wenig Geduld für Übungen, deren Sinn sich nicht sofort erschließt. Wenn sie merken, dass es um sie selbst geht, sind sie sofort dabei.
Quelle: Berufsschule 9 Nürnberg, Projektwoche „Fit for Life“.

