Zum dritten Mal war ich bei der Nürnberger Mittagslesung im Künstlerhaus zu Gast.
Das Format ist unaufgeregt und genau deshalb schön: Mitten am Tag, wenn die Stadt arbeitet, setzen sich Menschen für eine gute halbe Stunde hin und hören zu. Kein Abendprogramm, keine Premierenstimmung, kein Applausdruck. Man kommt in der Mittagspause, hört Literatur und geht danach zurück ins Büro.
Für mich als Vorleser ist das eine Herausforderung. Abends kann man ein Publikum langsam einsammeln; mittags hat man die ersten zwei Minuten. Was jetzt nicht trägt, trägt gar nicht.
Dass ich zum dritten Mal eingeladen wurde, freut mich besonders. Vorlesen ist eine unterschätzte Disziplin. Es geht nicht darum, einen Text zu schauspielern, sondern darum, ihm Raum zu geben und sich selbst zurückzunehmen – und gleichzeitig genug Präsenz zu behalten, dass niemand im Saal abschweift.
Das Künstlerhaus ist dafür ein guter Ort: ein Haus mitten in der Stadt, das seit Jahrzehnten Menschen zusammenbringt, die sich sonst nicht begegnen würden.
Quelle: Künstlerhaus im KUF, Nürnberger Mittagslesung.

