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Schreibwerkstatt am Staatstheater: „Gastarbeiter. Die Nichtgeschichte meines Großvaters“

In der 3. Etage des Staatstheaters Nürnberg haben wir an einer Schreibwerkstatt zum Stückprojekt „Gastarbeiter. Die Nichtgeschichte meines Großvaters“ mitgearbeitet. Am Ende stand eine Präsentation der Texte, die dabei entstanden sind. Die Einladung kam über unsere Zusammenarbeit mit Yalla Yalla.

Hinter dem Projekt steht der spanische Dramatiker Paco Gámez. Er entwirft darin eine fiktive Biografie seines Großvaters, der dreißig Jahre lang als Gastarbeiter in Düsseldorf gelebt hat. Das Stück entsteht komplett zweisprachig, deutsch und spanisch, und wird von Franziska Muche ins Deutsche gebracht. Bei einer Projektpräsentation im Goethe-Institut Madrid im April 2026 kamen ehemalige Gastarbeiterfamilien dazu – und plötzlich saßen die Menschen im Raum, um die es geht.

Der Titel benennt das Problem genau. Die Geschichte der Angeworbenen ist in Deutschland lange nicht erzählt worden. Sie ist keine fehlende Geschichte, sondern eine, die niemand aufgeschrieben hat. Das ist ein Unterschied. Wer nach Dokumenten sucht, findet Arbeitsverträge, Meldebescheinigungen, Werksfotos – aber selten einen Satz darüber, wie sich das angefühlt hat. Gámez arbeitet deshalb mit dokumentarischen Fragmenten, erfundenen Szenen und Erzählen auf der Bühne. Er rekonstruiert nicht, er entwirft eine mögliche Biografie.

Für ein Ensemble wie unseres ist eine Schreibwerkstatt zu diesem Stoff mehr als eine Übung im szenischen Schreiben. Viele bei uns bringen eine eigene Einwanderungsgeschichte mit, manche in der ersten, manche in der zweiten oder dritten Generation. Über den Großvater eines anderen zu schreiben, heißt fast zwangsläufig, auch über den eigenen nachzudenken – über das, was zu Hause erzählt wurde, und über das, was nie zur Sprache kam.

Genau da wird Theater interessant: nicht beim Nacherzählen von Fakten, sondern bei der Frage, was man tut, wenn die Fakten fehlen.

Quellen: drama panorama – Forum für Übersetzung und Theater e.V., Beitrag von Franziska Muche vom 22. Mai 2026; Staatstheater Nürnberg, YALLA YALLA.

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