Am 16. Oktober 2009 hatte „Dreck“ von Robert Schneider in der Fürther Kofferfabrik Premiere. Ein Monolog – eine Rolle, ein Eimer, ein Rosenstrauß, sonst nichts. Ich spielte Sad, Regie führte Nikolaus Struck.
Von allen Rollen, die ich gespielt habe, ist mir diese am nächsten gegangen. Sad ist Iraker, ich bin irakischer Kurde. Vieles, was er sagt, habe ich in Deutschland selbst gehört – nur nicht über mich selbst, sondern neben mir.
Das Stück
Ein Mann verkauft Rosen. Sein Name ist Sad, er ist dreißig, und er läuft jede Nacht zwölf Kilometer durch achtundfünfzig Lokale. Er lebt illegal in irgendeiner westlichen Stadt.
Sad spricht über seine Liebe zur deutschen Sprache, über die Sauberkeit der Straßen, über Schaufenster, die er nie anfassen würde. Und dann kippt es: Er erklärt sich selbst zum Dreck. Er hat die Vorurteile, die über ihn im Umlauf sind, so vollständig übernommen, dass er sie gegen sich selbst wendet und am Ende das Publikum auffordert, sich gegen Leute wie ihn zu wehren.
Robert Schneider hat den Text 1993 geschrieben. Er kreist rhythmisch um immer dieselben Sätze, die sich nur minimal verschieben. Wer ihn spielt, muss die Nuancen finden, sonst wird er zur Litanei.
Die Presse
Die Fürther Nachrichten schrieben nach der Premiere, das Stück lege den Finger in eine eitrige Wunde, und würdigten die Entscheidung, die Hauptrolle mit einem irakischen Kurden zu besetzen. Über die Arbeit an der Sprache hieß es, ich hole selbst feinste Nuancen heraus; die Stimme bilde alle Gefühlslagen ab. Das Fazit: „Ein wichtiger Theaterabend, der Stellung bezieht.“
Fürther Nachrichten, 20. Oktober 2009, ap
Zur Nürnberg-Premiere im Theater Rootslöffel besprachen die Nürnberger Nachrichten den Abend erneut. Anne Peters beschrieb, wie sich Fremdheit über den Blick herstellen lässt, und bemerkte eine Anleihe bei Chaplins „Großem Diktator“, wenn Sad einen Stammtisch-Phrasendrescher nachmacht. Ihr Bild für das Stück: „wie ein bitterböser Zerrspiegel“.
Nürnberger Nachrichten, 15. Februar 2010, Anne Peters
Die Abendzeitung hob hervor, wie schnell der Zuschauer in die moralische Falle gerät, weil er die eigenen Positionen ständig überprüfen muss – ein Abend mit „Provokation und Aufklärung satt“.
Abendzeitung Nürnberg, 16. Februar 2010, GK
Das Team
Sad: Irfan Taufik. Regieassistenz: Selina Bock. Inszenierung: Nikolaus Struck.
Aufführungsrechte: Felix Bloch Erben, Berlin.
Bilder



Fotos: Das Theaterprojekt Nürnberg
Video
Stückinformationen, Besetzung und Pressestimmen: Das Theaterprojekt Nürnberg. Regie bei allen genannten Produktionen: Nikolaus Struck.

