Am 14. Dezember 2006 hatte „Rozznjogd“ von Peter Turrini im Kulturzentrum Z-Bau Premiere. Ich stand als Mann auf der Bühne, in der Inszenierung des Theaterprojekts Nürnberg unter der Regie von Nikolaus Struck.
Gespielt wurde in der Galerie hinter dem Roten Salon – ein Raum, dem man seine Vorgeschichte ansieht. Für dieses Stück war das genau richtig.
Das Stück
Ein Paar, im Text nur „Er“ und „Sie“ genannt, trifft sich auf einer Müllhalde, um ungestört zu sein. Die Ratten, die über den Platz laufen, schießt er ab. Dann kommen die beiden ins Reden, und was sie voneinander erfahren, ergibt ein trostloses Bild: Der Mensch als Mistkübel, in den von Kindheit an alles hineingestopft wird.
Je länger sie reden, desto größer wird die Lust, sich von dem angesammelten Ballast zu befreien – vom Inhalt der Taschen, von falschen Haaren, schließlich von der Kleidung. Sie fassen Vertrauen und finden den Mut, zu ihrer Unvollkommenheit zu stehen. Auf dem Höhepunkt dieser Nähe geschieht etwas, mit dem niemand rechnet.
Turrini schrieb den Text 1967, uraufgeführt wurde er erst 1971 – damals ein Skandal. Derb, komisch, wütend und radikal ist er bis heute geblieben.
Die Presse
Die Nürnberger Nachrichten besprachen die Premiere zwei Tage später. Die Kritik hob hervor, dass das Stück durch die alltäglich gewordene Bühnennacktheit seine Skandalwirkung verloren habe, an Intensität aber nicht. Gelobt wurden der Bühnenaufbau aus Müllsäcken, Sexpuppen und alten Autositzen und die Entscheidung, aus dem im Original 25-jährigen Paar zwei gesetztere Menschen zu machen. Hinter den rüden Dialogen, so die Zeitung, sei schon bald eine tiefe Sehnsucht nach Wärme zu spüren: „Rozznjogd ist vor allem ein Stück über den Wert des Menschen.“
Nürnberger Nachrichten, 16. Dezember 2006, Schulze Kalthoff
Das Team
Sie: Ulrike Gradl. Er: Nikolaus Struck. Mann: Irfan Taufik. Frau: Kristin Ude.
Bühne: Manfred Schaller. Technische Leitung: Ralf Heither. Abendtechnik: Tim-Sören Meyer. Dramaturgie: Hartfried Kaschmieder. Regieassistenz: Kristin Ude. Co-Regie: Frizz Lechner. Inszenierung: Ensemble.
Aufführungsrechte: Thomas Sessler Verlag, Wien.
Bilder


Fotos: Das Theaterprojekt Nürnberg
Video
Stückinformationen, Besetzung und Pressestimmen: Das Theaterprojekt Nürnberg. Regie bei allen genannten Produktionen: Nikolaus Struck.
